Online Unterricht in Zeiten von Corona

Posted by Leaisabellesander on Mai 10, 2020 in Erfahrungen News

Als Mitte März die Info kam, dass Musikunterricht nicht mehr erlaubt sei bekam ich erstmal Panik. Es war klar, dass ich auf Online Unterricht umsteigen musste – nur wie?!

Ich fragte Freund*innen, Kolleg*innen und Familienmitglieder, ob sie Ideen hätten, wie ich die Qualität des Unterrichts aufrecht erhalten könnte, trotz der Tatsache, dass aufgrund der Audioverzögerung in der Übertragung (Latenz genannt) Begleitung, gemeinsames Einsingen – ach überhaupt gemeinsames Singen – nicht möglich ist.

Glücklicherweise – wenn auch eigentlich eine traurige Angelegenheit – war ich mit meinen Fragen nicht alleine und Freund*innen aus aller Welt schickten mir Tips und Ideen, die sie wiederum von Freund*innen und Kolleg*innen bekommen hatten. Ein weiterer Glücksfall und auch ein Privileg war und ist, dass alle meine Schüler*innen und ich die technischen Voraussetzungen und Gegebenheiten haben, um überhaupt online Unterricht machen zu können.

Ich entschied mich für einen Mix aus verschiedenen Ansätzen:

Meine Schüler*innen bekamen von mir Videos – gelistet auf Youtube hochgeladen, kann nur wer den Link hat, diese Videos sehen. Die Videos sind unterteilt in Übungen und Tutorials. In den Übungsvideos sind die Einsingübungen, ein paar extra Übungen zu Beweglichkeit und Atmung und ein Video zu Intonation. Die Tutorials sind recht spezifisch zu ganz bestimmten stimmphysiologischen Themen.

Zusätzlich nahm ich Klavier-Playbacks zu den Übungen auf, damit sie die auch ohne meine Stimme machen können.

Wer bei mir Online Unterricht hat, muss mir einen Tag vor der Stunde eine Aufnahme (Handy Qualität reicht und entweder Video oder nur Audio) schicken, da die Tonqualität wesentlich besser ist und ich die Feinheiten eher höre, als über Zoom zum Beispiel. In der tatsächlichen Stunde gebe ich dann Feedback zur Aufnahme, zeige Übungen, die helfen könnten bestimmte Schwierigkeiten auszubügeln und wenn die Schüler*innen möchten, können sie mit Playback singen und versuchen das gegebene Feedback direkt umzusetzen. Ich mache dann eventuell ein neues Youtube-Video, wo ich die aufgekommenen Themen angehe.

Der Fokus des Unterrichts ist ein anderer bei Online Unterricht. Es geht nicht darum, dass ich die Feinheiten der jeweiligen Stimme höre und wir kleinlich analysieren woran gearbeitet werden sollte, sondern es geht darum die Reflexionsfähigkeit der Schüler*innen zu trainieren. Selbst zu hören, ob die Intonation stimmt, an welchen Stellen vielleicht anders geatmet werden müsste, etc. Durch das Aufnehmen hören viele ihre Stimme das erste Mal außerhalb des eigenen Körpers und sind oft schockiert. Doch auch das ist ein sehr wichtiger Lernprozess und ich werde es definitiv weiterführen, dass sich meine Schüler*innen aufnehmen und lernen selbstständig korrekt zu üben und ihre Fähigkeiten zu reflektieren.

Das große Schreckgespenst Online Gesangsunterricht hat sich als Geschenk erwiesen. Trotzdem fehlt einfach das miteinander sein, die Atmosphäre und vor allem der geschützte Raum. Das kann leider durch nichts kompensiert werden – darum sind wir alle umso glücklicher jetzt wieder richtigen Unterricht machen zu können! Auch wenn mir ein paar Online-Schüler*innen erhalten bleiben und ich sie weiter als Versuchskaninchen für neue Methoden benutzen kann. Als nächstes probiere ich Erklärvideos zu Stimmphysiologie mit Bildern und Cartoon-Ähnlichen Eigenschaften aus…

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